Wachs für die Kirche

Allgemein wurden in den Kirchen Kerzen gebraucht. Deshalb ist folgendem Satz vorbehaltlos zuzustimmen: „Wie auf den Weinbau ehemals der Umstand mächtig fördernd einwirkte, daß die Kirchen und Klöster des Weins zu gottesdienstlichen Zwecken bedurften, so ähnlich bezüglich der Bienenzucht, deren Ertrag großenteils bei der Anfertigung von Kirchenkerzen zur Verwendung kam.“ Besonders zu Mariä Lichtmess wurden traditionell viele Kerzen angezündet. Auch das Weihnachtsfest war ein Lichterfest. Der Bedarf an Kirchenkerzen war ständig vorhanden. Um ihn zu decken, gab es regelmäßige Abgabepflichten, die Wachszinsigkeit genannt werden. Während einige Bauern oder Kötter bestimmte Mengen an Roggen, Gerste und Hafer abzugeben hatten als so eine Art Pacht, mussten andere eine bestimmte Menge Wachs abgeben. Über „das Wachszinsrecht im Stift Essen“ hat Helmut Weigel einen ausführlichen Aufsatz geschrieben. Bereits in einer Urkunde von 1144/45 ist davon die Rede: „Äbtissin Irmentrudis von Essen bekundet: Maceca und ihr Sohn Heinrich gehören den Essener Stiftspatronen Cosmas und Damian und zahlen für 2 Pfennig Wachs an das Stift; dieses Recht geht an die Erben über.“ So etwa der Inhalt dieser alten Urkunde. Wir Borbecker können uns freuen, dass wir Nachweise haben, dass auch der Borbecker Pfarrer solche Wachseinnahmen verzeichnete. Im ältesten erhaltenen Borbecker Kirchenregister von 1444 kommen sie bereits vor. Auch in späteren Borbecker Kirchenregistern, so von1627 findet man die Einnahmen von Wachs. Außer Wachs verzeichnet bereits das Kirchenregister von 1444 außerdem noch die Einnahmen von „ungels“. Das ist Talg. Talg oder Unschlitt ist das Fett der Rinder, Schafe, Ziegen und Hirsche. Daraus kann man minderwertige Kerzen machen, die beim Brennen stinken und weniger gut leuchten. Im Laufe der Zeit wurden Kerzen vermehrt aus anderen Stoffen hergestellt, aus Stearin, Paraffin, Ceresin usw. Sie haben heute als Kerzenmaterial weitgehend Bienenwachs ersetzt und Talg sowieso. Bienenwachskerzen tropfen, verbiegen sich leicht und sind klebrig. Beim Brennen knistern sie und verbreiten ein angenehmes Honigaroma. Dieser Duft macht sie auch heute noch beliebt. Auch heute noch werden gern Kerzen gestiftet in Kirchen. Als Beleuchtungsmittel wurden die Kerzen jedoch im allgemeinen verdrängt durch Petroleumlampen, Gasleuchten und elektrisches Licht. In dieser Reihenfolge setzte sich der technische Fortschritt durch. Als Süßungsmittel bekam Honig starke Konkurrenz. Zunächst war es der Zucker aus Zuckerrohr. Dann kam im 19. Jahrhundert die Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben hinzu. Daher nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Imkerei ab. Informationen über Bienen in Borbeck sind auch deshalb schwer zu beschaffen. Aus dem Jahre 1813 gibt es eine Aufstellung der im Herbst des Jahres 1812 aufgestellten Bienenstöcke. Danach gab es in Essen (dem heutigen Stadtkern) 11, in Steele 72, in Altenessen 210 und in Borbeck 254 Bienenstöcke.